Lancet: Immunität nach Infektion

Das sind genau die Studien, die wir jetzt brauchen: in einer im Lancet veröffentlichten dänischen Studie von Hansen et al. werden heute die Ergebnisse einer Populations- sowie einer Kohorten-Studie zur Reinfektion nach PCR-positiver SARS-2-Infektion vorgestellt. Es handelt sich hier also nicht um in vitro-Untersuchungen im Labor, sondern um Beobachtungen an konkreten real-world Kollektiven.

WICHTIGER HINWEIS zu Beginn: es handelt sich hier um Untersuchungen mit dem Endpunkt „Re-Infektion gemessen an erneutem positiven PCR-Befund“, es wird nicht das (neuerliche) Auftreten einer klinischer Symptomatik bzw. Erkrankung untersucht (ein Endpunkt, der bei den Impfstudien der Fall genutzt wurde).

  • In der Populationsstudie konnten 5während der „2. Welle“ 525.333 Personen nachuntersucht werden, von denen 11.068 (2,11%) eine SARS-2-Infektion in der ersten Welle hatten (PCR+) („Vor-Infizierte„). Von diesen 11.068 Personen waren im Follow up 72 (0,65%) wiederum PCR-positiv, verglichen mit 16.819 von 514.271 (3,27%) initial PCR-negativen Personen („vormals Nicht-Infizierte„). Man kann es auch anders darstellen: Bei den Vor-Infizierten traten 5,35 Infektionen auf 100.000 Personen pro Tag auf, bei den vormals Nicht-Infizierten bei 27,06/100.000. In einer Darstellung, die der in den Impfstudien gewählten Vorgehensweise ähnelt, wird für die Vor-Infizierten daraus ein Schutz vor Reinfektion von 80,5% errechnet (ist gut nachzuvollziehen.)
  • In der Kohorten-Untersuchung wurden 138 Infektionen bei Vor-Infizierten mit 53.991 Infektionen bei vormals Nicht-infizierten verglichen. Für die Altersgruppen unter 65 lag der Schutz vor Infektion bei den Vor-Infizierten bei rund 80%. In der Altersgruppe >65 wurden 31 Infektionen bei Vor-Infizierten und 4980 Infektionen bei vormals Nicht-Infizierten beschrieben, hier lag der Schutz bei 47,1%.

Die Studie zeigt einen guten Schutz vor Re-Infektion, soweit man es an einem positiven PCR-Befund bemisst. Bei älteren Personen ist der Schutz weniger ausgeprägt, es bleibt aber offen, (a) ob sich hier auch Krankheitssysmptome und/oder Hospitalisation zeigen, und (b) ob von den PCR-positiven Personen ein Infektionsrisiko ausgeht. Insofern ist von der grundsätzlichen Einschätzung, dass die natürlich erworbene Immunität bei SARS-2 einen guten Schutz bietet, nicht abzuweichen, aber in Einzelfällen kann zumindest ein erneute PCR-Positivität beobachtet werden. Ähnlich wie bei den Impfstudien muss die Frage der klinischen Relevanz und der Infektiosität durch weitere Studien untersucht werden. Dies gilt insbesondere hinsichtlich der Frage, ob ehemals infizierte Personen nochmals geimpft werden sollten: ungeachtet der Stiko-Empfehlungen muss hier sorgfältig analysiert werden, ob durch eine solche Impfung von Personen mit natürlicher Immunität wirklich Erkrankungen und Infektiosität durch eine evtl. Re-Infektion vermieden wird.

Hier zur Arbeit im Lancet.